Beim neunten Kirschfest krönt Hagen die neunte Kirschkönigin

Der Moment der Machtübergabe: Die scheidende Kirschkönigin Jule Ehrenbrink übergibt das Insignium der Macht, den Kirschenhut, an ihre Nachfolgerin Felina van't Hof. Bild: Ullrich Schellhaas

NOZ-Online-Bericht vom 30.06.2019 von Ulrich Schnellhaas

Hagen. Mit Spannung erwartete die Kirschgemeinde Hagen, wer sie in den kommenden Jahren als Kirschkönigin repräsentieren wird. Beim Kirschfest am Wochenende wurde das Geheimnis gelüftet und die neunte Majestät durfte in die kirschrote Robe schlüpfen.

Was in Süddeutschland die Weinkönigin ist, das ist in Hagen die Kirschkönigin: Repräsentantin der Gemeinde, Aushängeschild und natürlich auch ein Werbeträger. Beim neunten Kirschfest krönte Kirschen-Hagen nun die neunte Kirsch-Majestät.

„Ist es eine Königin oder ist die Zeit doch reif für einen Kirschkönig?“, fragte Hagens Bürgermeister auf der großen Bühne des traditionellen Fests auf dem Gibbenhof mehrfach in die Runde. Schließlich lebe man in modernen und vor allem gleichberechtigten Zeiten, so Peter Gausmann. Vom dritten Geschlecht oder dem bei Stellenausschreibungen inzwischen üblichen „m/w/d“ hat man in Hagen zwar gehört, bei der Wahl zur Begleitung des Kirschmonsters scheinen inter- oder transsexuelle Menschen aber keine Rolle gespielt zu haben. Ob sich überhaupt Männer auf die Position beworben hatten, verriet der Bürgermeister nicht.

Ehrenvolle Aufgabe

„Es war mir eine Ehre, meine Gemeinde zwei Jahre lang zu repräsentieren“, betonte Jule Ehrenbrink, die die vergangenen zwei Jahre als Kirschkönigin amtierte. Es habe sie stolz gemacht, so die Lehramts-Studentin und Jugendleiterin, „den schönsten Ort der Welt“ zu vertreten. Und an die Nachfolgende gerichtet sagte sie: „Daran musst Du dich gewöhnen, dass Du etwa bei der grünen Woche in Berlin neben all den überaus attraktiven Wein-Majestäten in Deinem roten Kirschkleid die größte Aufmerksamkeit erregen wirst.“

Und so gaben sich die Organisatoren alle Mühen, das Geheimnis um die Person des neuen Repräsentierenden möglichst lange geheim zu halten. Im historischen Fahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr, in dem die Person vorgefahren wurde, waren die Fenster verhängt und eine Menschenkette schirmte den Weg zur Bühne ab, damit ja keine neugierigen Blicke einen vorzeitigen Blick erhaschen konnten.

Neue Majestät

Dann aber war offiziell zu sehen: auch die neunte Kirschkönigin ist eine Frau. Die 21-jährige Felina van’t Hof Studentin der Sozialen Arbeit und Mitglied des Musikzugs Wiesental betrat im roten Kleid die Bühne und erhielt als Zeichen der Macht den Kirschenhut von ihrer Vorgängerin überreicht. „Ich bin ja so aufgeregt“, verriet sie noch etwas schief lächelnd in die Runde. Und tanzte den ersten Tanz mit Ortsbrandmeister Hajo Wöhrmann – zu den Klängen des Musikzugs Wiesental.

Beim anschließenden Gang über das Kirschfest machte die neue Majestät aber schon eine gute Figur: Lächeln, Autogramme geben und bereitwillig für Selfies posieren, dass kann Felina nämlich schon ausgesprochen gut. Und auch das frisch aufpolierte Kleid aus der Maskottchen-Manufaktur von Stefanie Ludwig steht der 21-jährigen gut zu Gesicht.

Buntes Kirschfest

Dennoch war die frisch gekrönte Majestät nicht der einzige Höhepunkt des neunten Kirschfests, das wie gewohnt zwischen Gibbenhof und Am Fachwerk in der gesamten Innenstadt stattfand. Auf der großen Bühne, neben dem Kirschkuchen-Verkauf für den guten Zweck, denn den Erlös erhielt das Deutsche Rote Kreuz für die Ausstattung der neuen Räumlichkeiten, in die die Organsiation demnächst zieht, verausgabte sich die niederländische Top-40-Band „Feeling“, die den Abend mit aktuellen deutschen Schlagern eröffnete und bis zum Ende des Fests um 2 Uhr morgens für perfekte Stimmung sorgte.

Die etwas kleinere Bühne Am Fachwerk war dagegen den Hagener Lokalmatadoren vorbehalten. Hier bewies der relativ neu gegründete Chor „Chorrekt“ sein können. Die „4 non Drums“ zeigten, dass man auch ohne Schlagzeug dafür aber mit der Reibeisenstimme von Norbert Niemeyer prächtig Jazz machen kann. Außerdem traten die Indie-Rocker von Yoga-Club auf und die Strohband stellte die neue Sängerin Sylvia Jenssen vor.

Auf den Straßen zwischen den Bühnen sorgten nicht nur zahlreiche Stände für das leibliche Wohl, auch an fast jeder Ecke spielte in einer Nische eine andere Band auf. Dazu gehörte etwa die Gruppe „Way out west“, die mit ihren Ukulelen angetreten war, um zu beweisen, dass die kleinen Instrumente das Allergrößte sind.

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